Erfolgreiche Digitalisierung – nur mit digitaler Bildung

Lern- und Wissensmanagement im raschen Wandel

von Dr. Sandra Boggel

Die Digitalisierung stellt Unternehmen und Mitarbeiter vor viele Herausforderungen. Wo man früher noch für sein ganzes Berufsleben gelernt hat, erfordern heute technologische Neuentwicklungen, sich ändernde Märkte und wechselnde Geschäftsprozesse eine ständige Anpassung von Wissen und Kompetenzen an die Anforderungen des Arbeitslebens.

Um diesen Forderungen gerecht zu werden, müssen Unternehmen, die auf Digitalisierung setzen, verstärkt in die ständige Weiterbildung und Kompetenzsteigerung ihrer Mitarbeiter investieren. Damit einher geht ein steigender Bedarf nach flexiblem und effizientem Lern- und Wissensmanagement: Das zu vermittelnde Wissen muss für die verschiedenen Bereiche, Mitarbeiter und Bedarfsmomente jederzeit abrufbar und leicht zugänglich sein. Unternehmen stehen nun vor der Aufgabe, ein funktionierendes Lern- und Wissensmanagement aufzubauen, das in der Lage ist, sich dem raschen Wandel anzupassen. Dabei bieten gerade die digitalen Technologien viel Potenzial, um die Erfassung und die Verteilung des Wissens im Unternehmen ressourcenschonend zu gestalten.

Digitale Lernwelten aufbauen

Die Lösung für den steigenden Wissens- und Kompetenzbedarf, der aufgrund der Digitalisierung entsteht, findet sich quasi in ihr selber, sprich in der Digitalisierung des Lernens und des Wissensmanagements. Digitale Lerntechnologien bieten mittlerweile eine Fülle an Möglichkeiten, Wissen schnell und zielgerichtet an die Mitarbeiter zu bringen oder es untereinander auszutauschen.

Etablierte Lernmanagementsysteme (LMS) stellen dabei im Unternehmen immer noch das Herz des digitalen Lernkonzepts dar: Hier können Lernerfolge dokumentiert, Seminarteilnehmer verwaltet, Zertifizierungen entwickelt und digitale Lerninhalte rollenbasiert verteilt werden. Pflichtschulungen können automatisiert zugewiesen und Wissen und Kompetenzen auf Knopfdruck reportet werden.

Moderne Lernmanagementsysteme berücksichtigen neben den o. g. formalen Lernprozessen aber auch die informellen Lernwege, also jenes Lernen, das durch konkrete Anwendung, Problemlöseprozesse, gezieltes Nachschlagen oder persönlichen Austausch vonstattengeht. Integrierte Autorentools ermöglichen z. B. User-generated Content, es gibt Videoblogs, Foren, Wikis oder virtuelle Karteikarten, und über Performance-Support-Systeme stehen hilfreiche Informationen auf Abruf bereit.

Damit treten digitale Lernmethoden aus dem Schatten des klassischen E-Learnings. Kollaboratives Lernen, Workplace Learning, Performance-Support – die Anwendungsunterstützung im Prozess – und User-generated Content sind die neuen Hoffnungsträger.
Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr: Nach dem 70:20:10-Modell nach Eichinger und Lombardo werden bei Führungskräften 70 Prozent des Wissens durch berufliche Herausforderungen und Problemlöseprozesse aufgebaut. 20 Prozent werden durch den Austausch mit Kollegen erlangt – und gerade mal 10 Prozent bauen sich durch formale Weiterbildungen, wie Seminare oder Kurse, auf. Gelernt wird also zu 90 Prozent durch informelle Prozesse

Kollaboratives Lernen, Workplace Learning, Performance-Support – die Anwendungsunterstützung im Prozess – und User-generated Content sind die neuen Hoffnungsträger.

Informelles Lernen gewinnt bei allen Mitarbeitern an Bedeutung, nicht nur weil Wissen immer schneller veraltet, sondern auch weil Arbeitsformen sich ändern. Agiles Arbeiten ist in aller Munde und steht für Anpassungsfähigkeit, hohe Kundenorientierung und proaktive Verbesserungsprozesse – Wissen muss dementsprechend schnell und flexibel zur Verfügung stehen. Neue Kompetenzen müssen häufig direkt im Ernstfall ausprobiert werden, auch ohne, dass man sich vorher umfassend fortgebildet hat. Dem Performance-Support kommt damit eine besondere Bedeutung im digitalen Zeitalter zu.

Der Anteil informeller Lernprozesse am Gesamtlernen nach dem 70:20:10-Modell beträgt bei Führungskräften 90 Prozent.

Konkurrenz bekommen die großen Lernmanagementsysteme tatsächlich auch von jenen Systemen, die sich auf informelles Lernen spezialisiert haben: Mobile Apps und Autorentools, mit denen Nutzer ohne technisches Vorwissen schnell Videos teilen, kleine Präsentationen oder Quizfragen erstellen können, erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
Nicht nur die Schnelligkeit der Lerninhalte und ihr informeller Charakter ist eine recht neue Entwicklung im bis dato von klassischen E-Learnings geprägten Bereich. Auch die Art, wie sie erstellt und geteilt werden, ändert sich – und muss sich ändern. Und damit tut sich ein weiterer wichtiger Trend in der digitalen Lernlandschaft auf: User-generated Content.

Der Weg zu einer neuen Lernkultur

User-generated Content, also Lerninhalte und Wissen, die von Nutzern für Nutzer bereitgestellt werden, wird zunehmend als Methode diskutiert, um den Bedarf nach immer neuem, anwendungsbezogenem Wissen zu schließen. Im Unternehmenskontext spricht man auch von Employee-generated Content oder Expert-generated Content.

User-generated Content ist dabei keine neue Idee. Was mit Web 2.0 angefangen hat, ist heute für die meisten Internetnutzer längst Alltag. Ein Großteil der Inhalte auf Social Media wie YouTube, Facebook oder Instagram werden nicht von Redaktionen, sondern von Nutzern erstellt.

Auch im Marketing spielt User-generated Content eine besondere Rolle. Unternehmen haben längst erkannt, welchen Einfluss die Endnutzer auf die Beliebtheit eines Produkts haben, und nutzen dies auch innerhalb des Unternehmens für die Öffentlichkeitsarbeit, z. B. mit Mitarbeiter-Blogs. Die Partizipation am Unternehmen führt dazu, dass Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlen. Motivation, Engagement und Loyalität dem Unternehmen gegenüber werden verstärkt – auch bei Mitarbeitern, die selbst nicht aktiv mitgestalten. Diesen Nutzen gilt es, in der internen Weiterbildung noch auszuschöpfen.

Mehr noch lässt sich mit der Einbeziehung von Mitarbeitern in die Lerninhaltserstellung die Menge an benötigtem Wissen bewältigen. Auch die Schnelligkeit der Informationsweitergabe ist eine andere, wenn Wissen direkt von Mitarbeiter zu Mitarbeiter weitergegeben wird – und da Mitarbeiter direkt aus dem Arbeitsalltag heraus ihr Wissen weitergeben, fließt auch implizites Wissen und Anwendererfahrung besser mit ein als über die zentral gesteuerte Verteilung von Wissen.

Das alles bedeutet nicht, dass formale Inhalte in Zukunft weniger Bedeutung haben. Grundlegende Pflichtkurse zu Themen wie Compliance, Office- und Sprachkurse werden weiterhin eine wichtige Rolle spielen, ebenso wie formale Schulungen mit Nachweis des Zertifikats. Doch das informelle Lernen erfährt nun durch die Digitalisierung einen enormen Aufschwung.

Mit diesen Entwicklungen gehen erforderliche Änderungen in der Unternehmenskultur einher. Lernen und Arbeiten müssen stärker zusammenwachsen, und auch die zentrale Hoheit von Personalentwicklungen darüber, wer was im Unternehmen lernt, muss Platz machen für eine neue Aufgabe: Mitarbeiter müssen befähigt werden, ihren eigenen Lernprozess eigenständig zu gestalten, sie müssen motiviert werden, Lerninhalte zu gestalten und Wissen zu teilen. Unternehmensleitung und Bildungsbeauftragte sollten dabei auch bereit sein, die Kontrolle zu einem gewissen Grad abzugeben und Qualitätssicherungsprozesse neu zu gestalten.

Damit schafft die Digitalisierung eine neue Lern- und Unternehmenskultur und bietet die Chance, über Jahrzehnte etablierte Prozesse in der Weiterbildung neu zu denken. Andersherum wird auch Digitalisierung nicht funktionieren, ohne Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden und Akzeptanz für das Thema Digitalisierung zu schaffen.

Umsetzung im Unternehmen

Mit der Einführung von digitalen Komponenten in Produktion, Einkauf oder Vertrieb ist die Digitalisierung im Unternehmen noch nicht geschafft. Kultur und Mitarbeiter spielen die entscheidende Rolle für den Erfolg. Dies bedeutet eine professionelle und feinfühlige Einführung, die von den Anbietern einzelner digitaler Komponenten in der Regel nicht geleistet werden kann. Zudem ist der Dschungel an Angeboten für das normale Management nur schwer zu durchdringen.

Die Empfehlung lautet hier, auf die Unterstützung von erfahrenen Unternehmen zu setzen, deren Fokus auf der richtigen Auswahl der digitalen Komponenten und der erfolgreichen Einführung im Unternehmen liegt. //

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Bild von Wokandapix auf Pixabay

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