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Virtual & Augmented Reality

Postdigitale Transformation: Augmented und Virtual Reality – wenn Devices unser aller zweite Haut werden

Computergenerierte interaktive Simulationen mittels kleiner Devices in unserem Leben eröffnen schier unendliche Potenziale an Möglichkeiten, um die Welt neu zu erfahren. Technologische Entwicklungen, die es uns jetzt schon erlauben, die Wirklichkeit zunehmend zu virtualisieren, sind vorhanden. Schon jetzt lässt sich erahnen, welche Änderungen auf uns zukommen. Die Art, wie wir miteinander interagieren und wie wir die Welt wahrnehmen werden, wird nicht mehr dieselbe sein.

Was ist Augmented Reality?
Unter „Augmented Reality“ (kurz AR), also erweiterte Realität, versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Diese Informationen können alle menschlichen Sinnesmodalitäten ansprechen.  Häufig wird jedoch unter erweiterter Realität nur die visuelle Darstellung von Informationen verstanden, also die Ergänzung von Bildern oder Videos mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten mittels Einblendung/Überlagerung. Bei Fußball-Übertragungen ist erweiterte Realität beispielsweise das Einblenden von Entfernungen bei Freistößen mithilfe eines Kreises oder einer Linie. (Wikipedia – Erweiterte Realität)

Im „Realitäts-Virtualitäts-Kontinuum“ (nach Paul Milgram et al., 1994) sind die erweiterte Realität („Augmented Reality“) und erweiterte Virtualität („Augmented Virtuality“) Teil der sogenannten gemischten Realität („Mixed Reality“). Während der Begriff Augmented Virtuality kaum benutzt wird, werden Augmented Reality und Mixed Reality, selten auch Enhanced Reality, meist synonym verwendet.
Im Gegensatz zur virtuellen Realität (kurz VR), bei welcher der Benutzer komplett in eine virtuelle Welt eintaucht, steht bei der erweiterten Realität die Darstellung zusätzlicher Informationen im Vordergrund. Virtuelle Realität und die Realität werden also miteinander kombiniert oder teilweise überlagert. Interaktivität in Echtzeit, in der reale und virtuelle Objekte dreidimensional zueinander in Bezug stehen. Diese Definition umfasst jedoch nur technische Merkmale und beschränkt sich dabei auf einen Teilaspekt von AR.

Andere Arbeiten definieren AR als eine Ausweitung der Sinneswahrnehmung des Menschen durch Sensoren um Umgebungseigenschaften, die der Mensch selbst nicht wahrnehmen kann, wie z. B. Radar, Infrarot und Distanzbilder. Menschliche Eigenschaften können damit durch AR verstärkt oder gar ergänzt werden.
Allein die visuelle Modalität bedeutet eine nicht unwesentliche komplexe Herausforderung an die Positionsbestimmung (Tracking) und Kalibrierung. Um eine Augmented-Reality-Anwendung aufzubauen, benötigt es AR-Systeme (kurz ARS), die sich aus technischen Bestandteilen, wie z. B. Kamera, Trackinggeräte, Unterstützungssoftware usw. zusammensetzen. VR und AR sind weit mehr als nur ein Hype. Erkennen lässt sich dies nicht nur an ernst zu nehmenden Hardware-Entwicklungen / Devices für AR-Systeme, wie Facebooks Oculus Rift, HTC VIVE und Microsofts HoloLens, die mittlerweile durchaus massentauglich sind. Auch geistiges Eigentum wird sich einverleibt.

Erst jüngst wurden spannende Investitionen von Giganten wie Google, Facebook oder Apple getätigt, wie bspw. im Falle von MagicLeap. Die großen Player am Markt bereiten sich offensichtlich auf eine Zukunft mit AR vor. Viele Argumente sprechen zudem  für den Einsatz und das Wachstumspotenzial dieser neuen Technologien: Kostenersparnisse, Qualitätssteigerungen, Sicherheit.

VR- und AR-Technologien haben einen großen Einfluss – nicht nur auf unsere zukünftigen Lebens- und Arbeitswelten. Bereits eingesetzte VR- und AR-Anwendungen lassen dies jetzt schon erkennen. Pick-by-Prozesse in der Logistik und Produktpräsentationen im B-to-C Handel  werden schon sinnvoll optimiert und teils völlig verändert.

Begriffserklärung

Am besten veranschaulicht man sich diese abstrakten Begriffe an konkreten Beispielen:
Reine Realität ist ein Mensch, der zum Einkaufen in den Supermarkt geht.
Erweiterte Realität sind Brillengläser, auf deren Innenseite ein Computer den Einkaufszettel des Benutzers projiziert; und zwar so, dass beim Benutzer der Eindruck entsteht, der Einkaufszettel sei an die Wand des Supermarktes angeschrieben. Die Wirklichkeit wird hier um virtuelle Informationen angereichert.
Erweiterte Virtualität ist ein Computerspiel, das über einen VR-Helm gespielt wird und das die Türsprechanlage auf die Kopfhörer überträgt, wenn es an der Tür klingelt. Die Virtualität wird hier um reelle Informationen angereichert.
Virtuelle Realität ist ein Computerspiel, das über einen VR-Helm gespielt wird und nicht auf die reale Außenwelt des Benutzers reagiert.
(Quelle: Wikipedia„Mixed Reality“)

Mobile Economy

Ortsungebunden und immer erreichbar. Smartphones und Tablets stellen den „Arbeitsplatz“ in Frage und ermöglichen neue flexible Arbeitsweisen.

von Brigitte Kasper

Die Initialzündung für „Mobile“ kam sicherlich durch die Einführung von iPhone und iPad. Mit einem Mal genügte es nicht mehr, mit dem Handy nur zu telefonieren und ein paar SMS zu versenden. Zwar konnte man mit den damaligen mobilen Geräten auch schon z. B. Musik hören, fotografieren und E-Mails empfangen und versenden, jedoch geschah das noch mehr oder weniger halbherzig bzw. war auf nicht allzu viele geschäftliche Nutzer begrenzt. Mit den neuen Prestigeobjekten, die zudem durch eine neuartige Bedienung glänzten, eröffnete sich ihren Nutzern so nach und nach die Welt der Applikationen (Apps), d. h., von kleinen, auf dem Gerät gespeicherten oder ladbaren Programmen, über die man sich – zum Teil spielerisch – immer neue Anwendungen, Nutzen und Mehrwerte erschloss. Andere Hersteller zogen mit den sogenannten Smartphones und Tablet-PCs nach, für die nun ihrerseits ein kaum noch zu überblickendes App-Universum entstand.

Mittlerweile geht es nicht mehr ohne. Mobile ist zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen geworden – sowohl privat als auch im Business. Mancherorts heißt es nicht mehr „Mobile First“, sondern „Mobile Only“. Es wird mobil gelebt, gespielt, gearbeitet, gelernt, eingekauft, bezahlt und Geld überwiesen. Kaum ein Unternehmensbereich oder eine Branche kommt noch ohne mobile Arbeitsmittel aus, sei es im Vertrieb, in der Kundenberatung oder im Außendienst, in der Logistik oder im Handwerk. Moderne Apps machen es möglich, von überall her z. B. auf weiterführende Informationen oder Unternehmens- und Kundendaten zuzugreifen, um so die Kundengespräche oder auch Finanzberatungen durch aktuelle Fakten untermauern zu können. Oder vor Ort gewonnene Messdaten via App und Mobilfunk in den Unternehmensserver zu senden, um sie dort zu speichern und auszuwerten.

Die Zahlen sprechen für sich: Laut dem aktuellen Ericsson-Mobility-Report wird die Anzahl der Smartphone-Verträge 2016 weltweit auf 3,9 Mrd. steigen. Nahezu 90 % der Kunden werden dann die schnellen WCDMS/HSPA- und LTE-Netze nutzen. In Deutschland werden insgesamt voraussichtlich 27,9 Mio. Geräte über den Ladentisch gehen, so die Prognose des Digitalverbands Bitkom. 76 % aller Bundesbürger ab 14 und bis 69 Jahre nutzen bereits ein Smartphone und mit ihm auch das mobile Internet. Das Tablet hingegen läuft langsam Laptop und Notebook den Rang ab.

Nach ihrem Siegeszug im Privaten krempeln Smartphone und Tablet nun die Arbeitswelt um und ermöglichen neue Arbeitsweisen – losgelöst von Raum und Zeit. Wie aus dem aktuellen „Adobe Enterprise Mobile Survey“ hervorgeht, setzen 75 % der hiesigen Firmen inzwischen Enterprise-Mobile-Apps für tägliche Arbeiten ein, beispielsweise für eine verbesserte Kommunikation der Mitarbeiter untereinander, mit Kunden oder auch in Sales-Prozessen – auch von unterwegs und außerhalb der „normalen“ Arbeitszeiten. Vertrieb, Marketing, Kundenberatung usw. werden sich in einem Maß den mobilen Möglichkeiten anpassen müssen, das heute noch gar nicht abzuschätzen ist. So wie die Kunden jederzeit, überall und flexibel erreichbar sind, erwarten sie es auch von ihren Geschäftspartnern. Starre und archaische Hierarchien, bislang erfolgreiche Geschäftsmodelle und Märkte sowie bestehende Wertschöpfungsketten müssen hinterfragt und gegebenenfalls aufgebrochen werden. Neue Denkweisen und Geschäftsmodelle müssen her. Nicht umsonst fordert der VDE mehr „Californian Spirit“ statt „German Angst“. Er sieht die Digitalisierung als Feuerprobe für Deutschland 4.0. Kaum auszudenken, würde man hier den Anschluss an die USA und Asien verlieren.

Business-Design für den digitalen Wandel

von Elmar Nathe

Die digitale Transformation erfordert vom Topmanagement eines Unternehmens das grundlegende Überdenken des etablier­ten Geschäftsmodells und die Neuausrichtung der Geschäftsorganisation. Neue Geschäfts­chancen, die durch die Digitalisierung erst ermöglicht werden, müssen erst verstanden und auf ihre Relevanz zur Erneuerung des Geschäftsmodells geprüft werden. Digitalisierung verzahnt Business und IT unmittelbar. Jede Neuaus­rich­tung löst sofort eine entsprechende Änderung in der IT aus. Auch wenn IT-Trends wie z. B. „Internet of Things“ sicher die Weichensteller der digitalen Geschäftsmodelle sind, sollten Unternehmen beim Entwurf ihrer digitalen Strategie an den Nutzen für ihre Kunden denken. Startpunkt sind also die – wahrscheinlich schon – bekannten Probleme der Kunden. Ein tieferes Verständnis zu entwickeln, worin der Kern des Problems eigentlich besteht und welche Ansätze diese lösen können. Mögliche Fragestellungen sind:

  • Was sind die aktuellen Herausforderungen unserer Kunden in ihren Märkten?
  • Wie können digitale Technologien unsere Produkte bzw. Services verbessern?
  • Wie können unsere Kunden enger an uns gebunden werden?

Doch wie kann effektiv eine digitale Strategie entwickelt und umgesetzt werden? Das wird am Beispiel eines Maschinenbauers dargestellt. Dieser möchte sein herkömmliches, auf der Konstruktion, Produktion und Lieferung von Spezialmaschinen beruhendes Geschäftsmodell erweitern. Hierfür sollen Technologien aus der Industrie 4.0 wie z. B. Sensoren, RFID und Big Data genutzt werden.

Zur digitalen Strategie mit vier Management-Werkzeugen

Die pragmatische, lösungsorientierte Kopplung von Business und IT ist im Rahmen der digitalen Transformation wichtig. Hierfür bietet es sich als Unternehmen an, folgende Elemente auszuarbeiten:

  • Customer-Journey-Mapping
  • Geschäftsfähigkeiten-Landkarte
  • Value-Proposition
  • Lean Start-up.

Potenziale aus der Kundensicht entdecken

Elmar Nathe

Customer-Journeys stellen die Reise des Kunden bei der Interaktion mit dem Unternehmen dar. Dadurch lassen sich Potenziale und Ansatzpunkte aus Kundensicht entdecken. Hierbei ist es entscheidend, sich auf die Darstellung der Herausforderungen und der Erwartungshaltung der Kunden zu konzentrieren. Die IT kommt erst ins Spiel, wenn es darum geht, wie die identifizierten Probleme gelöst werden können. Als Best Practice hat es sich herausgestellt, dass aus den Customer-Journeys Geschäftsfähigkeiten abgeleitet werden, die das Unternehmen aufbauen muss, um die Kundenbedürfnisse besser bedienen zu können.
Bei dem Maschinenbauer beginnt die Customer-Journey des Kunden bei der Planung der neuen Maschinen und bildet anschließend den Kauf, Betrieb und die Instandhaltung der Anlage bis zur Ersetzung dieser ab. Bzgl. der Instandhaltung könnte erkannt werden, dass es strategisch entscheidend ist, über Geschäftsfähigkeiten zu verfügen, die dem Kunden helfen, die Maschinenlaufzeiten und die -auslastung zu erhöhen.

Nutzen für den Stakeholder herausarbeiten

Ob eine solche Geschäftsfähigkeit das Potenzial hat, ein neues Geschäftsmodell zu tragen, kann über einen „Business Model Canvas“ (BMC) pragmatisch beschrieben werden. Zentral für den BMC ist das Konzept der Value-Proposition (dt.: Leistungsversprechen). Auf dieser Ebene werden noch nicht die konkreten digitalen Services beschrieben, sondern welcher Wert bzw. Nutzen für den Stakeholder erzeugt werden soll.
Im Kontext einer digitalen Strategie sind Customer-Journeys und die abgeleiteten Geschäftsfähigkeiten ein guter Ausgangspunkt, um eine griffige Value-Proposition für eine Gesamtstrategie zu bilden. So ergibt sich insgesamt ein verständliches Zielbild der digitalen Transformation des Unternehmens. Der Maschinenbauer könnte sich für die Zukunft entscheiden, sich mithilfe von Nutzungsdaten aus der IT und von neu entworfenen Serviceprozessen vom reinen Maschinenlieferanten hin zum Managed-Service-Provider zu entwickeln, der dem Kunden hilft, die Maschinenlaufzeiten und -auslastung zu optimieren.

Kernfunktionalitäten werden im MVP abgebildet

Nach Customer-Journey, Geschäftsfähigkeiten und definierten Value-Propositions kommt die Feinarbeit! Jetzt gilt es, konkret die einzelnen, neuen Geschäftsfähigkeiten zu detaillieren und in IT-Produkte umzusetzen. Business und IT arbeiten hier Hand in Hand zusammen, um iterativ und möglichst schnell das Produkt auf den Markt zu bringen. Nach dem Lean-Start­up-Ansatz wird zuerst ein „Minimum Viable Product“ (MVP) entwickelt. Das MVP enthält nur die Kernfunktionalitäten, die den primären Nutzen für den Kunden generieren sollen. Das MVP wird schnellstmöglich auf den „Markt“ gebracht, um zu evaluieren, wie die neue Produktidee basierend auf der Value-Proposition tatsächlich bei den Kunden ankommt.

Der Maschinenbauer könnte in ersten Workshops gemeinsam mit ausgewählten Pilotkunden die Hauptursachen für Maschinenausfälle ermitteln und sich in einem MVP auf diese fokussieren. Hierfür wird ein erster Prozess entworfen, mit dem die Betriebsdaten der Maschinen analysiert und Muster erkannt werden können, die auf ein technisches Problem hindeuten. In einem iterativen Prozess können dann mit den Kunden Serviceprozesse und die zugrunde liegenden IT-Systeme weiterentwickelt und verfeinert werden, bis das neue Geschäftsmodell Managed-Service-Provider tragfähig und profitabel ist.
Werden die Schritte systematisch durchgeführt, wird so eine zukunftsträchtige digitale Strategie für das Unternehmen entwickelt. Kreative, innovationsfördernde Methoden und iterative, auf schnellem Kundenfeedback beruhende Ansätze für das Business-Development lassen auch in etablierten Unternehmen die notwendige Start-up-Mentalität einziehen.

Kernaussagen

Die Digitalisierung eröffnet neue Geschäftschancen. Diese müssen ergebnisoffen in interdisziplinären Teams diskutiert und ausgearbeitet werden.
Bei der anschließenden Ausarbeitung der digitalen Strategie wird der Kunde in den Mittelpunkt gestellt.
Vier Management-Werkzeuge erleichtern die Ausarbeitung der digitalen Strategie:

  • Customer-Journey-Mapping
  • Geschäftsfähigkeiten-Landkarte
  • Value-Proposition
  • Lean-Start-up.

 

Der Text ist unter der Lizenz CC BY-SA 3.0 DE verfügbar.
Lizenzbestimmungen: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/


Zum Autoren

Neue digitale Sicherheitskultur

Sicherheit für kritische Infrastrukturen und innovative Cyber-Abwehr sind für Unternehmen und den Public Sektor gefragter denn je.

Die  Digitalisierung und Vernetzung, das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und die zunehmende Mobility bieten Cyber-Angreifern vielfältige Möglichkeiten, Informationen auszuspähen, Geschäftsprozesse zu sabotieren oder sich unter Einsatz von Malware und damit verbundener erpresserischer Datenverschlüsselung kriminell zu bereichern.

Täglich werden rund 380 000 neue Schadprogrammvarianten entdeckt, die Anzahl von Spam-Nachrichten mit Schadsoftware im Anhang ist explosionsartig um 1 270 Prozent angestiegen. Wie Frau Merkel bemerkte, werden Cyber-Angriffe zum Alltag gehören.

Klassische Abwehrmaßnahmen reichen nicht mehr aus

Unternehmen aller Branchen,  kritische Infrastrukturen, Forschungseinrichtungen, Ver­waltung und Bürger sind es, auf die sich Angreifer mit flexibel einsetzbaren Angriffsmitteln und -methoden fokussieren. Konsequenzen aus bereits erfolgten Angriffen sind teils verheerend und verdeutlichen, wie verwundbar eine digitalisierte Gesellschaft ist.  Dieser Thematik folgend entstehen neue Anforderungen an die bestehenden Sicherheitskonzepte. Hinzu kommen die gesetzlichen Vorgaben, wie das 2015 eingeführte IT-Sicherheitsgesetz, das um Sicherheitsanforderungen an sogenannte „Kritische Infrastrukturen“ noch ergänzt wurde. Es gilt der Ansatz, ein Unternehmen so zu führen und zu kontrollieren, dass die relevanten und möglichen Risiken abgedeckt sind. Das bedeutet, diese Risiken zu identifizieren, analysieren und bewerten. Um darauf aufbauend die Erstellung eines ganzheitlichen Sicherheitskonzeptes zu ermöglichen. Das beinhaltet nicht nur die eingesetzten Technologien, sondern auch organisatorische Maßnahmen, wie Zuständigkeiten, Berechtigungen, Kontrollinstanzen oder konzeptionelle Aspekte, wie etwa Mindestanforderungen für bestimmte Sicherheitsmerkmale zu definieren.

Kritische Infrastrukturen müssen branchenspezifische Mindeststandards erfüllen, wozu insbesondere die Einführung eines ISMS zählt. Hilfestellungen gewähren die kostenfreien IT-Grundschutz-Kataloge des BSI. Eine Sammlung von Dokumenten, welche die schrittweise Einführung und Umsetzung eines ISMS erläutern. Weiterhin müssen große Unternehmen und solche der „kritischen Infrastruktur“ relevante Vorfälle, die die IT-Sicherheit betreffen, an das BSI melden.

Durch das IT-Sicherheitsgesetz wurden außerdem weitere Gesetze wie z. B. das Energiewirtschaftsgesetz geändert. Durch die Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes werden sämtliche Strom- und Gasnetzbetreiber verpflichtet, den IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur umzusetzen und ein ISMS einzuführen.

ISO 27001

Als Standard für Managementsysteme der Informationssicherheit hat sich die ISO-Norm 27001 zur Umsetzung und Kontrolle von gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Informationssicherheit und Datenschutz etabliert. Bei der Verwendung von Informationssystemen müssen proaktiv Schutzmaßnahmen und Schutzmethoden ergriffen werden, um mögliche Bedrohungen und Schwachstellen bestenfalls vorab zu verhindern oder auf ein überschaubares Risiko zu minimieren.
Die Zukunft ist vernetzt und mobil, mit immer mehr Schnittstellen zwischen Mensch, System und Maschine, national und global. Das bedeutet, dass wir ein sicheres und vertrauenswürdiges Ökosystem vom kleinsten Sensor bis zum Benutzer benötigen. Eine Absicherung der Systeme kann nur unter Einbezug sämtlicher Beteiligter, also Hersteller, Systemintegrator, Betreiber der Anlagen sowie der Öffentlichkeit, gleichermaßen gewährleistet werden.
Der Einsatz aktueller Schutzmechanismen, die Verfügbarkeit, Verbindlichkeit und Authentizität gewährleisten, wird von zunehmender Bedeutung sein. Techniken zur Verschlüsselung, Authentifizierung und Autorisierung auf Basis biometrischer Verfahren und hochleistungsfähiger Kryptografie-Methoden werden zum Standard avancieren.

Weiterführende Reportage aus TREND REPORT zum Thema

Heft 3/2015 „Vernetzte Gesellschaft“
„IoT: Beginn der Vernetzung“, Autor Chris Löwer
https://trendreport.de/iot-beginn-der-vernetzung/

Heft 2/2016 „Deutschland digital“
„Orientierung gesucht“, Dr. Ralf Magagnoli
https://trendreport.de/orientierung-gesucht/

Heft 1/2016 „Creative Companies“
„360°: Risiken immer im Blick“, Frank Romeike
https://trendreport.de/360-risiken-immer-im-blick/

Location-based Services

Die Einsatzgebiete für Location-based Services sind vielfältig. Nicht nur im Bereich des Handels, sondern auch bspw. in Verwaltung und Kultur.

Die Redaktion im Gespräch mit Georgios Karachos, Gründer und Geschäftsführer der Qualigon GmbH, zu Trends im Rahmen der Indoor-Lokalisierung

Herr Karachos, für welche Anwendungsszenarien eignet sich Indoor-Lokalisierung?
Wir bekommen Lokalisierungsanfragen aus vielen unterschiedlichen Bereichen, wie Shoppingcentern, Krankenhäusern, Flughäfen, Messen, Museen, aus dem Büro- oder auch Facility-Management sowie der Industrie. Dabei haben die unterschiedlichen Szenarien individuelle Anforderungen an die Lokalisierung, einerseits bei der geforderten Genauigkeit, andererseits auch bei der Frage, ob Personen oder Güter lokalisiert werden sollen. Anhand dieser spezifischen Kriterien wählen wir die beste Lokalisierungs-Technologie aus und gewährleisten dem Kunden damit eine individuell angepasste Lösung und einen zuverlässigen Betrieb. Große Krankenhausanlagen haben zum Beispiel verzweigte und schwer zu findende Bereiche. Durch eine Lokalisierungslösung können Patienten gezielt zu den Behandlungsräumen geleitet werden. Dies ermöglicht einen reibungslosen Betrieb. Zusätzlich kann das Facility-Management unterstützt werden. Darüber hinaus ist es damit auch möglich, Objekte wie Defibrillatoren oder Krankenhausbetten zu lokalisieren. Auch in Shoppingcentern bietet die Nutzung eine Vielzahl von Vorteilen für den Betreiber und den Endkunden. Dies gilt natürlich auch für Filialketten. In beiden Szenarien gibt es vielfältige Anwendungen, dazu zählt primär die Navigation des Kunden zu diversen Zielen, wie zum Beispiel Shops, Stellplatz des eigenen Autos im Parkhaus oder Servicepoints. Im nächsten Schritt können die Kunden dann ebenfalls in den Shops zu bestimmten Bereichen geleitet werden. Lokalisierungstechnologien erleben aber auch durch Industrie 4.0 einen starken Aufschwung. Dabei unterscheiden wir den Bereich der Personenführung, wie zum Beispiel im Alleinarbeiterschutz, und den IoT-Bereich (Internet of Things), bei dem eine direkte Kommunikation zwischen den Maschinen (M2M) notwendig ist. Die Kenntnis der Position von Gütern und Geräten ist für einen optimierten Produktionsprozess ein immer wichtiger werdendes Kriterium. Ein weiterer Aspekt sind alle Messungen im Indoor-Bereich, die mit einer genauen Positionsinformation verknüpft werden müssen, zum Beispiel Analysen von Mobilfunk- oder WLAN-Netzen oder aber Umwelt-Analysen.

Wie könnten Shoppingcenter Lokalisierungstechnologien in ihre Wertschöpfungskette integrieren, um bestmögliche Kundenbindung zu erzeugen?
Center-Betreiber werden damit in die Lage versetzt, ihren Kunden ein neues Shopping-Erlebnis anzubieten. Der Kunde kann seinen Besuch zu Hause am PC vorplanen und sich über sein Smartphone vom Verlassen des eigenen Pkws bis zum Produkt durch das Center navigieren lassen. Das Center-Management sowie die jeweiligen Einzelhändler können anhand genauer Analysen der Kundenbewegungen eine vergleichsweise sichere Aussage über die Vorlieben und Verhaltensmuster des Kunden im Shoppingcenter treffen. Dies hilft, das Angebot besser auf den Kunden einzustellen, Stärken und insbesondere Schwachstellen zu identifizieren und die Effizienz von Marketingmaßnahmen einzuschätzen und zu optimieren. In Verbindung mit diversen Daten aus der geografischen und geschäftsspezifischen Umgebung des Objektes lässt sich deren Einfluss auf das Kaufverhalten, die Verweildauer des Kunden und die Umsätze der Retailer feststellen. Aus der Betrachtung mehrerer diesbezüglicher Zyklen lässt sich hier eine nützliche Prognose ableiten, die mittel- und langfristig eine Optimierung der Prozesse und Logistik des Retailers erlaubt. Darüber hinaus lässt sich in Verbindung mit einer entsprechenden Smartphone-Applikation, die die Navigations-Funktionalität enthält, die Kundenbindung erhöhen. Auch können Produkte und Dienstleistungen über dieses Medium personalisiert beworben werden. Shoppingcenter können ihre Besucher-Bereiche als virtuelle Marketing-Flächen anbieten. Ein zusätzlicher, nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt für den Shoppingcenter-Betreiber ist hier die Möglichkeit, diese Marketingflächen an interne und externe Retailer und Dienstleister zu vermieten und somit die Investitionen in das System refinanzieren zu können.

Was für einen konkreten Nutzen hat der Endanwender – wie hilft ihm die Lösung?
Im Shoppingcenter kann der Endkunde zunächst auf einfache Art und Weise seine bevorzugten Shops und gewünschte Servicepoints im Shoppingcenter finden. Ganz besonders positiv wird der Kunde diese Funktionalität insbesondere in größeren und unübersichtlichen Shoppingcentern empfinden. Des Weiteren ist die Möglichkeit gegeben, in Parkhäusern, die größtenteils nur noch schwer zu unterscheidende Bereiche aufweisen, sein Auto schnell und unkompliziert wiederzufinden. Ein Vorteil, den jeder Kunde insbesondere nach der ersten Erfahrung einer längeren Suche nach seinem Fahrzeug in einem großen Parkhaus zu schätzen wissen wird. Im Krankenhaus können Patienten und Besucher geführt werden. Ein weiterer wichtiger Anwendungsfall ist das Auffinden von Gerätschaften, wie Defibrillatoren und Betten, sowie das Überwachen von Blutkonserven. Krankenhausbetreiber können auf skalierbare Lösungen zurückgreifen. Daneben ist auch die Navigation des Facility-Managements und von Maintenance-Mitarbeitern zu bestimmten Wartungspunkten ein wichtiges Anwendungsszenario, da so auch Externe schnell und eindeutig zu ihren Arbeitsstellen geführt werden können, ohne komplizierte Pläne oder Personal des Auftraggebers nutzen zu müssen. In der Industrie unterstützen Lokalisierungs-Systeme den Alleinarbeiter in kritischen Situationen. Auch bei der Lagerhaltung optimieren wir bereits vorhandene IT-Lösungen.

Wie verläuft die konkrete Implementierung vor Ort?
Im ersten Schritt nehmen wir die Anforderungen des Kunden auf und spezifizieren gemeinsam das komplette System. Basierend auf diesen Informationen stellen wir aus unserem Portfolio die passenden Technologien zusammen. Je nach Szenario können wir dabei die Anforderung des Kunden an die Genauigkeit bis hin zu zehn Zentimetern abdecken. Unter Umständen sind in dem Implementierungsprozess auch Anpassungen an bereits vorhandene IT-Systeme des Kunden notwendig. Anschließend planen wir die Infrastruktur für die Lokalisierung mit Funkplanungs-Software basierend auf den beschriebenen Genauigkeits-Anforderungen. Schließlich erfolgt die Installation der benötigten Infrastruktur. Parallel zu diesen Schritten wird eine eigene mobile App für den Kunden erstellt oder eine bereits bestehende erweitert. Nach einer Qualitäts-Überprüfung des kompletten Systems und natürlich auch der Genauigkeit kann der Kunde das System übernehmen. Zusätzlich bieten wir die vollständige Wartung oder auch den Betrieb des Systems an.

Kernaussagen

  • Durch die Indoor-Lokalisierung können in Gebäuden Personen geführt und Güter lokalisiert werden.
  • Indoor-Lokalisierungs-Lösungen sind dabei, in den Bereichen Industrie, Gesundheitswesen sowie Groß- und Einzelhandel zum Standard zu werden.
  • Indoor-Lokalisierung vereinfacht und optimiert in Verbindung mit Business-Intelligence die Prozessabläufe in unterschiedlichen Szenarien.
  • Indoor-Lokalisierungs-Systeme erhöhen die Arbeitssicherheit.
  • Durch Indoor-Lokalisierung können neue Dienste generiert und bereits bestehende Dienste erweitert werden.

Wie wird sich die Technologie weiterentwickeln?
Wir erwarten, dass die Lokalisierungs-Technologie immer stärker zu einem Standard ähnlich wie GPS wird. Die für die Lokalisierung verwendete Infrastruktur wird ein integraler Bestandteil der Gebäudetechnik wie zum Beispiel eine Brandmeldeanlage sein und wird mit anderen Komponenten, im Rahmen von Smart Buildings, interagieren. Hier erwarten wir nach wie vor energiesparende, kostengünstigere, noch leistungsfähigere Geräte und sich daraus ergebende neue Möglichkeiten. Wir erkennen, dass die unterschiedlichen Sparten ein starkes Interesse an den Diensten, die die Lokalisierung bietet, haben. Das sind neben den erwähnten Dienstleistungen für den Besucher oder dem Auffinden von Gütern und Waren ganz besonders die positionsbezogenen Analysen. Durch diese neuen Datenquellen ergeben sich moderne Dienste-Dimensionen, die von der Business-Intelligence über Marketing, Asset-Tracking bis hin zur Security und Arbeitssicherheit reichen. Wir beschäftigen uns schon lange mit Business-Intelligence in Verbindung mit Positionsdaten und bieten auch diese komplexen Prozesse und Analysen aus einer Hand. Die steigende Nachfrage zeigt, dass Lokalisierungs-Dienste, wie z. B. das Tracking von Assets, zu einem Standard werden. Durch die beständige Optimierung dieser Bereiche sind unsere Kunden für das Zeitalter der digitalen Transformation gerüstet.

Genauigkeit und Einsatzfeld typischer Ortungssysteme für Location-based Services (Quelle: Qualigon)

Wäre eine „Kopplung“ mit anderen Navigationslösungen denkbar?
Wir können die Indoor-Lokalisierungs-Technologien z. B. mit den bekannten GPS-Systemen verknüpfen. Damit ist ein nahtloser Übergang zwischen der Indoor- und Outdoor-Lokalisierung möglich. Dies erspart dem Kunden die Notwendigkeit, den Outdoor-Bereich, wie z. B. Lagerflächen, Parkanlagen oder Außenparkplätze, mit Infrastruktur auszustatten. Bei einer Integration der unterschiedlichen Dienste in schon bestehende Systeme ist es auch möglich, den Kunden, der mit dem Auto kommt, bis zum Parkhaus zu leiten. Von dort übernimmt sein Smartphone die Navigation durch die Fußgängerzone oder das Shoppingcenter bis zum Regal, in dem das Produkt zu finden ist. Mit entsprechenden Informationen ist die mobile App in der Lage, den Kunden zu einem freien Parkplatz zu führen, der den kürzesten Weg zum Shop mit dem ausgewählten Produkt aufweist.

Bieten Sie Schnittstellen für App-Entwickler, Ihre mit dem Fraunhofer IIS gemeinsam entwickelten Technologien und Dienste zu nutzen?

Das System bietet verschiedene Schnittstellen, die auch von externen App-Entwicklern genutzt werden können, um ihre Applikationen mit der Lokalisierungs-Technologie zu erweitern. Dies ist auch notwendig, da viele Kunden bereits eigene mobile Applikationen besitzen, die um die Lokalisierungsmöglichkeit angereichert werden sollen. Basierend auf den Anforderungen passen wir auch die Schnittstellen an bestimmte bereits im Unternehmen genutzte Systeme an.

Wie stellen Sie sicher, dass die Dienstequalität gewährleistet wird?
Lokalisierungs-Systeme bestehen in der Regel aus mehreren Modulen wie Infrastruktur, gegebenenfalls Apps für Smartphones, diversen Server-Komponenten und den bereits angesprochenen Schnittstellen zu anderen Systemen. Um die Qualität der zugehörigen Dienste gewährleisten zu können, müssen die einzelnen Module fehlerfrei zusammenwirken. Für den Kunden übernehmen wir die Installation, den Betrieb und die Wartung der Infrastruktur. Somit ist die Lokalisierungs-Genauigkeit, welche zum Beispiel für Business-Intelligence-Systeme maßgeblich ist, nicht nur einmalig nach der Installation, sondern auch für die Zukunft gewährleistet. Für die Sicherstellung der Netzqualität überprüfen wir die vorhandenen WiFi- und Mobilfunknetze durch eigene Messsysteme. Dabei ergibt sich in der Regel ein Optimierungsbedarf der Netze, um die Kundenanforderungen erfüllen zu können. Auch bei der Implementierung liefern wir unseren Beitrag zur Sicherstellung der Quality of Experience. Hier begleiten wir die Entwicklung der Applikationen und die damit verbundenen Dienste durch das automatisierte Testen auf einer Vielzahl von Smartphones und Tablets. Um eine fehlerfreie Kommunikation zwischen Applikation und Server-Komponente gewährleisten zu können, führen wir ein kontinuierliches Monitoring von Diensten durch. Damit stellen wir die vom Kunden gewünschte Qualität sicher. Natürlich sind bei den angesprochenen Komponenten die Security sowie der Datenschutz wichtige Aspekte, die berücksichtigt werden müssen. Wir arbeiten hier mit spezialisierten Partnern zusammen, die uns dabei unterstützen, den Kunden den bestmöglichen Service zu bieten.

Der Text ist unter der Lizenz CC BY-SA 3.0 DE verfügbar.
Lizenzbestimmungen: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/


Informationen zu Georgios Karachos

Logistik braucht IT

Nichts bewegt sich ohne eine enge Verzahnung von Logistik und IT. In Zukunft wird der 3D-Druck Dienstleistungen rund um die Logistik verändern.

Die Logistikbranche wird und muss sich im Zuge der Digitalisierung umfassend verändern. Prozesse werden mit Hilfe von neuen Technologien wie RFID, Beacons oder Pick-by-Solutions revolutioniert.
Beispielhaft sind E-Procurement und E-Marketplaces in der Beschaffungslogistik, die mit den zunehmenden Möglichkeiten des Internets überhaupt erst möglich sind. Unternehmen werden flexibler in ihren Beschaffungswegen, -zeiten und -quellen. In der Produktionslogistik wird in Zukunft mit Hilfe von Digitalen Fabriken ein gesamtes Unternehmen in vereinfachter Form abgebildet werden, von Mitarbeitern über Prozesse bis zu den IT-Anwendungen, was der Planung und Steuerung immens hilft. Durch Pick-by-Methoden kann der Kommissionierungsvorgang drastisch beschleunigt werden.

Die Prozesse der Distributionslogistik werden im Bereich der Routenplanung verbessert, was vor allem an einer verbesserten Kommunikationsmöglichkeit liegt. Das ermöglicht eine schnellere Zustellung der Lieferungen. Zusätzlicher Service wird dem Kunden durch Sendungsverfolgung geboten. In den kommenden Jahren werden sich Prozesse noch weiter verbessern, besonders in der Distributionslogistik. Autonom fahrende LKWs, Schiffe, Roboter und Drohnen werden die Zustellung, gerade auch auf der „letzten Meile“ zum Kunden revolutionieren und Personal für diese Bereiche nahezu obsolet machen.

Umfassende Änderungen werden die Logistikbranche treffen. Unternehmen müssen sich also mit  neue Technologien auseinandersetzen und in sie investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ein völlig neuer Konkurrent für Logistiker ist z.B. der 3D-Drucker. Denn wieso sollte man sich etwas liefern lassen, wenn man es sich auch zu Hause ausdrucken kann? Das geht schneller, und ist womöglich sogar noch billiger. Zur Zeit ist das Problem nicht so ernst zu nehmen, da die Möglichkeiten des 3D-Drucks noch begrenzt sind. Die meisten Dinge wird man sich schlicht liefern lassen müssen, wobei auch aktuelle Lieferzeiten in den meisten Fällen verkraftbar sind. Startup-Unternehmen haben aktuell bessere Chancen denn je.

TREND REPORT zum Thema

Heft 3/2015 „Vernetzte Gesellschaft“
„Industrie 4.0: Vision wird Realität“, Autor Chris Löwer
https://trendreport.de/industrie-4-0-vision-wird-realitaet-2/

Heft 2/16 „Standort Deutschland digital“
Reportage „IoT: Beginn der Vernetzung“, Autor Chris Löwer, https://trendreport.de/iot-beginn-der-vernetzung/

Bezüglich ihrer Konkurrenzfähigkeit geben sich deutsche Unternehmen relativ zuversichtlich. Wie realistisch diese Einschätzung ist, wird die Zeit zeigen. Wer auch immer in Zukunft führender Logistikdienstleister im deutschen Raum sein wird: Kunden profitieren von neuen Komfort. Zustellungen innerhalb von einem Tag, also Same-Day-Delivery-Modelle, werden zum Standard werden. Für Beschäftigte der Branche gestaltet sich die Lage anders: operative Berufe wie Lagerarbeiter oder auch LKW-Fahrer könnten schnell wegfallen, aber es werden neue Arbeitsplätze in Bereichen wie IT und Controlling geschaffen werden. Wie jede Neuerung bringt die Digitalisierung eben nicht nur positive Auswirkungen für Unternehmen. Neben den sich bietenden Möglichkeiten entsteht die Gefahr, den Anschluss an Konkurrenten zu verlieren und so vom Markt verdrängt zu werden. Grund genug für die BVL, ein Positionspapier zu erstellen, das die Herausforderungen für Politik und Unternehmen beschreibt und Handlungsempfehlungen gibt. Das von den Logistikexperten Professor Michael ten Hompel, Professor Jakob Rehof und Frauke Heistermann erstellte Papier definiert Logistik als „ganzheitliche Planung, Steuerung, Koordination, Durchführung und Kontrolle aller unternehmensinternen und unternehmensübergreifenden Informations- und Güterflüsse.“ Mit dieser Definition der Logistik ist die enge Verzahnung von Logistik und IT festgeschrieben, die im Positionspapier weiter ausgeführt wird.

Quelle und Textlizenz:
https://winfwiki.wi-fom.de/index.php/Einfluss_der_Digitalisierung_auf_die_Logistikbranche; Autoren: Federica Scichilone, Rico Schulte, Niklas Leppkes

Lizenzbestimmungen: https://www.gnu.org/licenses/fdl-1.2

Abteilung Produktion & Fertigung

Einfluss der Digitalisierung auf Produktion & Fertigung

von Andreas Fuhrich

Unter dem Begriff Industrie 4.0 subsumiert die Bundesregierung diverse technologische Trends wie Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und das Internet der Dinge. Sie erwartet, dass die Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den kompletten Lebenszyklus hinweg sich durch den Einzug neuer Technologien verändern wird. Grundlage bildet dabei die  Verfügbarkeit aller notwendigen Informationen in Echtzeit, durch die Vernetzung aller beteiligten Instanzen. (1)

Der Trend geht dabei weg von standardisierten, hin zu individuellen, auf den Kunden zugeschnittenen, Produkten. Durch die Möglichkeiten des 3D-Drucks und sogenannter Smart Factories  kann der Endkunde jetzt selbst unmittelbar Einfluss auf die Fertigung des Produkts nehmen, etwa über eine einfach zu nutzende CAD-Software, welche ihm kostenlos zum download bereitgestellt wird.

Cyber-physische-Fertigungseinheiten kommunizieren über das Internet der Dinge in Echtzeit sowohl miteinander als auch mit der Fertigungsanlage. Auf diese Weise werden die miteinander vernetzten Produktionsbestandteile in die Lage versetzt jederzeit auf Veränderungen zu reagieren, ohne dass die Produktionskette hierfür unterbrochen werden muss. Individuelle Kundenwünsche können auf diese Weise kosteneffizient umgesetzt werden.

Die Struktur der Vernetzung kann jedoch auch über einzelne Fertigungsanlage hinaus erweitert werden, so dass ganze selbst organisierende, unternehmensübergreifende Wertschöpfungsnetzwerke entstehen. Diese Netzwerke lassen sich beispielsweise nach Kriterien wie Kosten, Verfügbarkeit oder Ressourcenverbrauch optimieren. Die Fähigkeit, die Datenmenge der Cyber-physischen-Systeme (BigData) effektiv zu analysieren und daraus Optimierungsschritte abzuleiten wird in diesem Zusammenhang immer wichtiger.  Aufgabenbereiche von traditionellen Produktionsmitarbeitern und Wissensarbeiter, wie z.B. Datenanalysten, werden weiter zusammen wachsen. Die Erfahrung der Produktionsmitarbeiter kann in Kombination mit Big Data dazu genutzt werden Produkte weiter zu entwickeln oder neue Produkte zu fertigen. Zusätzlich können selbstlernende Systeme die in der Wertschöpfungskette entstehenden Daten laufend analysieren und darauf aufbauend die Prozesse optimieren. Unwirtschaftliche Fertigungsschritte werden durch die Analysemöglichkeiten besser erkannt und immer häufiger aufgelöst bzw. durch externe Zulieferer ersetzt. Der Komplexitätsgrad eines Unternehmens wird weiter steigen und die Vernetzung von Unternehmen nimmt immer weiter zu. Auf Plattformen entstehen bereits branchenspezifische Eco-Systems mit sich ergänzenden Dienstleistungen unterschiedlicher Unternehmen. Die Fertigungstiefe innerhalb des Unternehmens nimmt ab, dafür steigt der Aufwand die Zulieferer zu steuern und zu kontrollieren.

Entscheidend  wird daher in Zukunft der Umgang  mit kurzzyklischen Schwankungen der Märkte sein,  die zum einen aus der steigenden internationalen Vernetzung  resultieren, aber auch aus der Anforderung immer nach Kundenauftrag zu arbeiten. Der wichtigste Erfolgsfaktor für Produktionsunternehmen wird durch Vernetzung und Echtzeitanalyse der Produktion die schnelle Reaktion auf Kundenanforderungen sein. (2)

Die zunehmende Automatisierung von Produktion und Fertigung sowie das Internet der Dinge bietet auch in puncto Nachhaltigkeit ein enormes Potential. Maschinen laufen nur dann, wenn sie wirklich benötigt werden, intelligente Heiz- und Kühlsysteme regulieren die Temperatur bei höchster Ressourcenseffizienz und mittels Bodensensoren kann jeder einzelne Fleck eines Feldes optimal gedüngt und bewässert werden, um nur einige Beispiele zu nennen.
Tipp: Durch die Ersparnis an Rohstoffen und Energiekosten können sich Ausgaben in solche Technologien schon nach kurzer Zeit amortisieren.

Trends

1. Predictive Maintenance
Hersteller von Fertigungsmaschine sind durch das Internet der Dinge in der Lage Predictive Maintenance (vorausschauende Instandhaltung) anzubieten.  Über Sensoren erfassen die Maschinen kontinuierlich eigene  Zustandsdaten und übertragen diese anschließend in die Cloud des Herstellers. Dort werden die verschiedenen Daten stetig analysiert um rechtzeitig Verschleißteile auszutauschen oder bei Auffälligkeiten und auf Störung hindeutenden Mustern entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Produktionsausfälle durch plötzliche Standzeiten und unvorhergesehene Ausfälle werden dadurch vermieden.

2. Farming 4.0
Durch die Digitalisierung, dem Internet der Dinge und dem Einsatz cyber-physischer Systeme, entstehen auch in der Landwirtschaft Möglichkeiten nahezu sämtliche Produktionsprozesse neu zu gestalten. IoT –Sensoren erfassen beispielsweise die Menge der gegebenen Milch so wie Daten über den Stoffwechsel. Aufbauend auf diesen Daten lässt sich der optimale Melkzeitpunkt für jedes Tier ermitteln. Außerdem werden dadurch auch Krankheiten früh erkannt.

3. Augmented Reality (AR)
Unter Augmented Reality versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Vor allem visuelle AR-Devices werden immer häufiger in der Produktion eingesetzt.  Hier können beispielsweise AR-Brillen dem Träger wichtige Informationen zur Verfügung stellen, wie etwa millimetergenaue Positionsdaten für das nächste Einbauteil, oder auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

4. Individualisierung
Während früher Ingenieure aufwendig die Maschinensteuerung für unterschiedliche Produkte anpassen mussten, genügt mittlerweile eine einfachere Benutzeroberfläche. Ausgeklügelte Automatismen intelligenter Maschinen übernehmen dann autonom die Fertigung. Durch Smart Factories und 3D-Druck wird so sogar der Endkunde in die Lage versetzt selbst zum Produzenten zu werden. Kleinserien und Einzelstücke lassen sich kostengünstig herstellen. Individuelle Wünsche, z.B. im Oberflächendesign, lassen sich selbst kurzfristig noch ändern und realisieren, ohne dass dafür die Produktion heruntergefahren werden müsste.

5. Kollaborierende Roboter (Cobots)
Kollaborierende Industrieroboter entlasten in einem gemeinsamen Arbeitsprozess den Menschen und unterstützen ihn bei seiner Tätigkeit. Durch kognitive Systeme werden sie zudem in die Lage versetzt die Bedürfnisse der Mitarbeiter selbst zu erkennen und dementsprechend zu reagieren. So können sie beispielsweise schwere Gegenstände heben um die Montage zu erleichtern oder auch benötigte Ersatzteile und Werkzeuge beschaffen.

Quellen und Textlizenz:
(1) Platform Industrie 4.0: Umsetzungsstrategie Industrie 4.0 April 2015, Seite 8. URL https://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/I/industrie-40-verbaendeplattform-bericht,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf (Abgerufen 5. Dezember)
(2) Fallstudienarbeit „Einsatz von Big Data im Bereich Produktion“ von Stefan Schulte, Nicolai Schütte, 2015. URL https://winfwiki.wi-fom.de/index.php/Einsatz_von_Big_Data_im_Bereich_Produktion (Abgerufen: 5. Dezember 2016);

Lizenz: https://www.gnu.org/licenses/fdl-1.2

Abteilung Marketing

Einfluss der Digitalisierung auf das Marketing

Silodenken sollte der Vergangenheit angehören. Alle Abteilungen müssen in der Zukunft weiter zusammenwachsen und abteilungsübergreifend miteinander agieren. Dies betrifft vor allem die IT und das Marketing, die oftmals noch nicht eng genug miteinander verzahnt sind. Dabei ist die IT der Hauptansprechpartner für das Marketing, wenn es sich um die Automatisierung von Analysen und Abläufen handelt.

Zum Beispiel kann das Marketing-Controlling auf vorhandene Marktforschungsdaten und weitere interne Datengrundlagen zurückgreifen. Diese Datengrundlagen nehmen in Umfang und Qualität mit der fortschreitenden IT-Unterstützung der Marketingprozesse zu.

Durch die Analysen der Daten aus BI, CRM, Big Data oder anderen Quellen sollen ebenso Handlungsempfehlungen für das Marketing entstehen. Insbesondere Big Data und die automatisierte Auswertbarkeit dieser bereits schon erhobenen Menge an Daten werden in der Zukunft somit eine größer werdende Rolle spielen. Durch Echtzeitanalyse und Anpassung der daraus entstehenden Empfehlung können personalisierte Marketingaktionen realisert werden.
Auswirkungen werden weiter verfolgt und analysiert, um nach und nach neue Vergleiche zu ziehen und Tendenzen erkennen zu können. Darüber hinaus wäre denkbar, dass selbstlernende Systeme eine Rolle spielen. Diese könnten selbstständig die Parameter einer alten Kampagne auf eine neue Kampagne projizieren. Besonders Datenschützer werden bei den fast schon gläsernen Verbrauchern immer stärker in Erscheinung treten, um diese zu schützen.

Im Bereich Online-Shopping wird der Einkauf über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets weiter zunehmen und Anbieter müssen ihren Auftritt und ihre Angebote für Smartphones tauglich machen. Ziel sollte es sein, eine konsistente E-Business-Strategie zu verfolgen und Kunden über alle Kanäle hinweg langfristig an sich zu binden. Über neue Technologien wie z. B. das CRM, Big-Data-Analytics oder Social Analytics hat das Marketing die Möglichkeit, viele Daten über den Verbraucher zu erhalten. Denn es geht künftig vor allem darum, die Erwartungen des Kunden individuell zu erfüllen. In vielen Fällen fehlen jedoch die Expertise und Parameter, um diese sinnvoll oder effektiv zu interpretieren und zu verarbeiten. Damit ein Unternehmen von der Digitalisierung profitieren kann, muss eine passende Strategie entwickelt werden. Denn nur wenn Daten sinnvoll analysiert und genutzt werden und die IT mit dem Marketing verstärkt zusammenarbeitet, ent- und bestehen erfolgreiche Händler.

Heute stehen Unternehmen vor der Herausforderung, die häufig auch strukturell separierten Bereiche vernetzt zu steuern. Nicht zuletzt die Digitalisierung hat dazu beigetragen zu erkennen, dass Markenführung wesentlich mehr Bereiche als nur das Marketing betrifft. Wir befinden uns im Zeitalter des Kunden. Dies bedeutet: in Echtzeit zu wissen, was der Kunde will, individuelle Kundenwünsche zu erfüllen und das jederzeit über alle Kanäle hinweg. Dazu müssen nicht nur Prozesse und Reaktionszeiten beschleunigt werden, das gesamte Unternehmen muss sich digital transformieren. „Mach es dem Kunden leicht, dich zu erreichen.“ Vorhandene Daten sind in Wissen über die Kunden zu verwandeln und die Chancen der mobilen Ausrichtungen sind zu nutzen.

Multichannel heißt heute und in Zukunft die Multichannel-Perspektive auf Distributions- und Kommunikationskanäle. Die Herausforderung liegt in der zunehmenden Vernetzung aller digitalen und analogen Kanäle.

Unter den vier Instrumenten des Marketingmix (Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik) wird der marktgerichteten Unternehmenskommunikation zukünftig – neben dem Produkt – die größte Bedeutung beigemessen. Das Web 2.0 stellt viele Unternehmen vor eine neue Herausforderung. Kommunikation bedeutet nicht mehr nur das Aussenden von Informationen (unidirektionales Mitteilen) mit einer sehr eingeschränkten Perspektive auf gewünschte Reaktion (attraktiver finden, Bedürfnis entwickeln, kaufen), sondern die Kommunikation mit bidirektionalem Informationsaustausch. Hier gilt für Unternehmen, zuzuhören und zu lernen. Medien erfahren eine steigende Interaktivität durch diesen bidirektionalen Informationsaustausch. „Die Digitalisierung macht aus den Medien Dialogmedien.“ Social Communities, Internet-TV, interaktives Fernsehen, E-Magazines und viele mehr sind Kommunikationskanäle, die dank der Digitalisierung eine Dialogfunktion übernehmen. Die wichtigste Rolle wird in Zukunft der Mobile Commerce spielen. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, smartphonefähige Plattformen zur Verfügung zu stellen. Denn der Einkauf über ein Smartphone auf einem nicht smartphoneoptimierten Webshop kann dazu führen, dass der Kauf abgebrochen wird. Die Statistik zeigt die Entwicklung der Nutzung von Smartphones oder Tablets für den mobilen Einkauf im Internet. Trotzdem haben es klassische Kaufhäuser immer schwerer und müssen sich etwas Neues einfallen lassen. So hat die Digitalisierung auch Einfluss auf Filialen in Innenstädten. Kunden können sich in der Umkleidekabine mit den anprobierten Kleidungsstücken oder mit durchtrainiertem Service-Personal fotografieren lassen und die Bilder direkt bei Facebook veröffentlichen. Auch hier steht, ähnlich wie bei der Produktpolitik, das Erlebnis mit der Marke und dem Produkt im Vordergrund.

Dies bedeutet, dass Unternehmen sich nicht nur auf einen Bereich konzentrieren sollten, sondern mehrere Kontaktpunkte bieten müssen. Die Verknüpfung zwischen analogem und digitalem Kanal bedeutet, dass Kunden zum Beispiel auf Online-Rabattaktionen zurückgreifen und damit im lokalen Ladengeschäft einkaufen gehen oder sich über das Schaufenster inspirieren lassen und online einkaufen. Die Chancen, mit digitalen Kanälen (Homepage, E-Mail, Suchmaschinen, Social Media etc.) seinen Bekanntheitsgrad zu steigern und in neue Märkte einzusteigen, sind groß, bergen aber auch Risiken. Der Einfluss der Digitalisierung auf den Bereich Marketing hat dazu geführt, dass Kunden durch verschiedene Technologie wie z. B. Social Media ein Sprachrohr erhalten und so einen Einfluss auf Unternehmen erlangen. Unternehmen haben mit Big-Data-Analysen und Social Analytics die Möglichkeit, auf Kundenwünsche schnell und individuell zu reagieren, können aber oftmals die Vielzahl an Daten nicht miteinander richtig verknüpfen und auswerten. Durch die Digitalisierung sind Unternehmen angebots- und preistransparent. Kunden haben dadurch eine stärkere Markposition, wodurch auch unkontrollierte Kommunikationseffekte (sog. „Shit-Storms“) entstehen können. Für viele Unternehmen ist der Hauptgrund, digitale Kanäle nicht zu nutzen, der Datenschutz. Unternehmen müssen besonders vertrauensvoll mit den Daten der Kunden umgehen, sodass zwar Erkenntnisse abgeleitet werden, aber kein Datenmissbrauch betrieben wird. Die digitalen Kanäle sind günstiger als die klassischen Marketingmedien, aber Kunden fühlen sich teilweise überrollt von Werbung. Kunden entwickeln und nutzen daher auch Technologien, um sich gegen diese Art des Marketing (Customer-Resistance) zu schützen. Verbraucher nutzen Pop-up-Blocker, um Werbung beim Surfen zu entgehen, oder filtern E-Mail-Newsletter über die Junk-Mail-Funktion. Bei einem Spielfilm geht der Kunde über zum zeitversetzten Fernsehen und überspringt so die Werbung. Einzelhändler zum Beispiel bieten eine App mit aktuellen Angeboten oder eine Einkaufsliste über das eigene Smartphone, um die Positionierung als sympathischer Discounter zu stützen. Die Erwartungshaltung des Kunden an eine Marke ist sowohl online als auch offline gleich. Ein Unternehmen sollte daher nicht nur digitale Kanäle nutzen, denn nicht alle Kunden sind online erreichbar.

Quelle und Textlizenz:
https://winfwiki.wi-fom.de/index.php/Einfluss_der_Digitalisierung_auf_das_Marketing; „Einfluss der Digitalisierung auf das Marketing“; Andre Kreutzer, Paulo Afonso, Björn Brade; FOM Hamburg

Lizenzbestimmungen: https://www.gnu.org/licenses/fdl-1.2

Abteilung Vertrieb

Einfluss der Digitalisierung auf den Vertrieb

Digitaler Vertrieb bedeutet, dass die Vermarktung und der Absatz über digitale Vertriebswege erfolgen. Anders ausgedrückt heißt das, dass der digitale Vertrieb in erster Linie das Internet als Vertriebskanal nutzt, um mit den Kunden zu kommunizieren, die Leistungen bereitzustellen und Geschäfte abzuwickeln. Die Umsätze durch E-Commerce werden auch 2017 weiter steigen. Dies zeigt eindeutig, dass es sich für Unternehmen lohnt, die Arbeit in eine hochwertige Internetvermarktung zu investieren.

Ein Beispiel: Durch den Einsatz eines Produktdatenmanagements (PIM) ist ein Unternehmen nicht nur für den Online-Auftritt gut gerüstet und bietet den Käufern ausreichend Informationen für das Produkt, sondern optimiert auch gleichzeitig die eigenen Geschäftsprozesse. Alle relevanten Informationen zu einem Produkt sind zentral abrufbar. Bei der Entwicklung neuer Produkte kann leichter auf bereits vorhandene Komponenten o. Ä. zurückgegriffen werden. Der gesamte Aufbau hat also weit mehr Nutzen als den reinen Vorteil im Internethandel.

Die jeweils eingesetzte Technologie sollte dem Vertrieb einen Informationsvorsprung verschaffen. Durch die systematische Informationsbeschaffung und -analyse von Kunden, Märkten und Konkurrenten soll die Erzielung eines komparativen Wettbewerbsvorteils generiert werden. Weiterhin ist eine Reduktion der Prozesskomplexität von Bedeutung. Anhand technologisch stringenter Prozessabläufe können Beschleunigungen und Vereinfachungen der Vertriebsaktivitäten erreicht und Arbeitsentlastungen realisiert werden. Außerdem können durch den digitalisierten Technologieeinsatz Kostensenkungspotenziale ausgeschöpft werden. So gewährt die Digitalisierung Möglichkeiten der Prozessauslagerung oder -verkürzung, der Eliminierung von Markteintrittsbarrieren sowie die differenzierte Betreuung von Kunden. Aufgrund dieser Chancen sind auch kleine oder mittelständische Unternehmen in der Lage, sich in internationalen Märkten zu positionieren, da beispielsweise der Aufbau lokaler Vertriebsstrukturen durch Online-Shops umgangen werden kann. Weiterhin erlauben digitale Technologien durch strategische Kommunikation eine Schaffung von Bekanntheit und Optimierung des Images. Dem Unternehmen wird es ermöglicht, seine Leistungen werblich zu positionieren, und hohe Kontaktfrequenzen vieler digitaler Medien generieren eine Wahrnehmung der kommunikationspolitischen Maßnahmen durch die potenziellen Kunden in kurzer Zeit. Letztlich sollten digitale Technologien eine Effektivitätssteigerung für den Vertrieb eröffnen. Diese ist begründet in Absatzsteigerungen durch den wirkungsvollen Einsatz der Vertriebsmaßnahmen, in der Reduktion von Streuverlusten sowie in der erhöhten Erreichbarkeit potenzieller und bereits akquirierter Kunden.

Jedem Unternehmer sollte bewußt sein, von welcher zentralen Bedeutung eine sauber strukturierte Datenpflege und -ablage ist und wie sehr doch die Online-Promotion mittlerweile in die Vertriebskanäle der Unternehmen Einzug gehalten hat. Und durch die überwiegend kostenlos von Google & Co. bereitgestellten Instrumente und Dienste ist dies auch ein wesentlich günstigerer Vertriebsweg als beispielsweise die Printmedien. Zudem greift der Produktkatalog im Online-Shop stets auf die aktuellen zentral vorgehaltenen Daten zurück.

Digitalisierung bedeutet aber auch den Vertriebsaußendienst mit neuen mobilen Lösungen auszustatten. Ziel ist es, beim Kunden vor Ort die wichtigsten Kundendaten parat zu haben, um auf Kundenfragen reagieren zu können. Tablets und Beratungs-Apps bieten bislang nicht gekannte Möglichkeiten, komplexe Themen und Pro­duk­te einfach, fast spielerisch dem Kunden zu vermitteln. Auf diese Weise können viele Dienstleister ihre Servicequalität in der Kun­denberatung weiter verbessern und damit ihre Marktposition gegenüber dem Wettbewerb stärken. Bewährt hat es sich beispielsweise, den in der jeweiligen Produktkategorie erfolgreichsten Ver­triebs­mitarbeiter in die App-Entwick­lung einzubinden.

Dies gewährleistet, dass die wichtigsten fach­lichen Informationen und relevanten Verkaufsargumente integriert und sinnvoll miteinander verknüpft werden. Damit die Produktinformationen auch nach­vollziehbar sowie anschaulich für den Vertrieb aufbereitet werden, empfiehlt sich die Erstel­lung eines App-Storyboards.
Dieses visualisiert die Erfolgs­story des ausgewählten Vertriebsmit­arbeiters, d. h. die Vorgehensweise, die sich in der Beratung seiner Kunden bewährt hat. Seine einzelnen Vor­ge­hens­schrit­te wer­den in gezeichneten Screen-Bildern festgehalten und diese dann zur App-Story miteinander verbunden. Darüber hinaus werden im App-Storyboard mit einem Usa­bility-Experten die Interaktionen und Animationen festgehalten, die ein­gebunden werden sollen, und pro Screen-Bild vermerkt. Für das Unternehmen ist damit der erste Schritt hin zu einem mobilen Vertrieb erfolgreich vollzogen.

Vorteile durch den digitalen Vertrieb:

  • Vertriebsreichweiten erweitern durch Online-Shops, SEO und Bewegtbild
  • Agil reagieren auf veränderte Marktbedinungen und Nutzerverhalten
  • Personalisierte Ansprache von Kunden durch Mailingkampagnen, Newsletter & Co.
  • Sharing und viraler Vertrieb über soziale Netzwerke und mobile Endgeräte
  • Höhere Effizienz durch digitale und zentrale Produktdatenhaltung über PIM-Systeme

Innovationen und Trends im digitalen Vertrieb:

  • Einsatz von PIM-Lösungen
  • Leadgenerierung auf Basis von Algorhitmen
  • Omni- und Multichannel-Vertriebsstrategien für den stationären Handel
  • Cross-Selling über Partner-Shops und in sozialen  Netzwerken
  • SMS und mobiles Text-Marketing
  • Bewegtbildkommunikation in Form von Screencasts und Produktvideos
  • Social-Media-Marketing
  • Aufbau der eigenen Social-Media-Präsenz
  • Einsatz von Content-Marketing und Suchmaschinenoptimierung
  • Produktplattformen für mobile Endgeräte
  • Produktunterstützung und Abverkauf durch die Entwicklung von Mobile-Apps für Smartphones und Tablets
  • Business-Intelligence und Big-Data-Datenauswertung
  • Anbindung an Mobile- und E-Payment-Lösungen
  • Anbindung an eigene CRM-Lösungen
  • Webinare und E-Learning-Angebote etablieren zur Vertriebsunterstützung
  • Kundenbeziehungen aufbauen durch soziale Netzwerke
  • Augmented Reality und Virtual Reality für Produktpräsentation und Interaktion
  • Einsatz von kognitiven und algorithmengestützten Systemen wie zum Beispiel „Predictive-Leadscoring-Softwarelösungen“ (Anhand von bestimmten Mustern erkennt eine Software die Qualität von Leads und unterstützt damit das Sales­team bei seiner Arbeit.)

Vertrieb per IoT

Beispiel: IoT – Vertriebsformen

Die Anwendungsmöglichkeiten des Internets der Dinge sind in den Bereichen Marketing und Vertrieb bisher maßgeblich durch den US-amerikanischen Online-Versandhändler Amazon vorangetrieben worden. Dieser experimentiert mit den verschiedensten Technologien, um den Online-Handel immer stärker in den Alltag der Kunden einzubinden. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Die Marktanteile können erhöht und der Umsatz pro Kunde kann gesteigert werden. Auch neue Kunden können durch die Innovationen angelockt werden, was ebenfalls zu einer Umsatzsteigerung führt. Ab Mitte 2016 sind die ersten Dash-Buttons nun auch in Deutschland angekommen. Der Preis dafür liegt momentan bei fünf Euro. Amazon erstattet die Anschaffungskosten für den Button nach der ersten Bestellung, die über das Device ausgeführt wurde.

Der im Jahr 2015 auf dem US-Markt eingeführte Amazon Dash Button ermöglicht es dem Kunden, auf Knopfdruck vordefinierte Bestellungen von Verbrauchsgütern aufzugeben. Nachdem ein Kunde einen solchen Button bestellt hat, wird dieser mit der dazugehörigen Smartphone-App konfiguriert.
Durch die Konfigurierung kann festgelegt werden, welcher Artikel in welcher Menge nach dem „Knopfdruck“ bestellt wird. Es besteht zum einen die Möglichkeit, sich einen komplett selbst konfigurierbaren Dash-Button zu bestellen, aber aufgrund von umfangreichen Kooperationen mit namhaften Verbrauchsmittelherstellern können auch Dash-Buttons für bestimmte Produkte geordert werden. Es handelt sich dabei um Produkte wie Waschmittel, Kaffeekapseln, Rasierklingen oder Körperpflegeprodukte.

Nach der Betätigung des Dash-Buttons wird automatisch eine Bestellung erzeugt, welche in der dazugehörigen Smartphone-App bestätigt werden muss. Prinzipiell kann die Bestellung zwar vollkommen autonom aufgebeben werden, die Authentifizierung durch den Kunden soll jedoch die Möglichkeit bieten, versehentlich ausgelöste Bestellungen zu korrigieren oder auch die zu bestellende Menge abzuändern. Bei den bestellbaren Mengen handelt es sich dabei hauptsächlich um größere Vorratspackungen, da beispielsweise die Versendung einer einzelnen Flasche Spülmittel nur in den seltensten Fällen wirtschaftlich ist. Durch die Möglichkeit, Bestellungen zu bündeln, können jedoch auch kleinere Einheiten angeboten werden. Die benötigten Produkte werden dabei in festgelegten Zeiträumen gesammelt und dann zusammen bestellt. Auf diese Weise lässt sich eine Art „Einkaufszettel“ erstellen, welcher dann zu einem beliebigen Zeitpunkt abgearbeitet wird. Amazon selbst sieht diese Art der Bestellung jedoch nur als Zwischenschritt an, da in Zukunft selbst ein Knopfdruck überflüssig werden kann und Gegenstände ihre benötigten Verbrauchsgegenstände autonom bestellen können.

Dash Amazon Replenishment: Derzeit entwickelt Amazon in Zusammenarbeit mit verschiedenen Großgeräteherstellern ein Konzept für autonome Haushaltsgeräte. Vergleichbar mit den „Smarten Verkaufsautomaten“ im stationären Einzelhandel, sollen diese dann selbstständig fehlende Ressourcen erkennen und diese nachbestellen. Dafür bieten sich z. B. Waschmaschinen, Kaffeeautomaten, Wasserfilter, Kühlschränke oder Drucker an. Sollte beispielsweise ein Drucker erkennen, dass mit dem aktuellen Tintenvorrat nur noch eine geringe Anzahl an Seiten gedruckt werden kann, könnte dieser selbstständig neue Farbpatronen bestellen.

Quellen und Textlizenz:
https://winfwiki.wi-fom.de/index.php/Einfluss_der_Digitalisierung_auf_den_Vertrieb; Autoren: Christian Müller-Vorrink, Lars Ivanusic, Julia Rosada
https://winfwiki.wi-fom.de/index.php/Einfluss_des_Internet_der_Dinge_auf_den_Einzelhandel#Marketing_und_Vertrieb; Autor(en): Kai Schlüsener, Manuel Wester
https://winfwiki.wi-fom.de/index.php/Promotion_von_Produktdaten_bei_Google; Autoren: Ebru Tirhis, Robert Trojanowski, Falk vom Schemm
Titel der Arbeit: Promotion von Produktdaten bei Google, Hochschule und Studienort: FOM Essen
Quelle: https://trendreport.de/apps-fuer-finanzdienstleister/

Lizenzbestimmungen: https://www.gnu.org/licenses/fdl-1.2

Customer Centricity

Konvergente Systeme und nachvollziehbare Strategien stellen den Kunden in den Mittelpunkt. So gelingt den Unternehmen die Kundenbindung auch im digitalen Zeitalter.

Digitalisierung und Vernetzung haben das Konsumverhalten nachhaltig verändert. Nicht nur im B2C-, sondern auch im B2B-Bereich existiert eine hohe Erwartungshaltung gegenüber den Anbietern: Dienstleistungen und Angebote sollten unabhängig von Öffnungszeiten bedarfsgerecht und just-in-time zur Verfügung stehen; die Kommunikation zum Kunden muss über alle Kanäle gewährleistet sein; Transparenz und die Analyse von Touchpoints sind obligatorisch – nicht  mehr nur für „Big Player“, sondern für alle.

Mit den vorhandenen Technologien können Unternehmen diesen Erwartungen entsprechen und die Chance ergreifen, durch eine optimierte Customer Experience Wettbewerbsvorteile zu erzielen. In diesem Kapitel zeigen wir im HANDBUCH DIGITALISIERUNG Lösungen für Kundenbeziehungen im Zeitalter der digitalen Transformation. Kreative Unternehmen kombinieren klug und stellen ihren Kunden in den Ausgangs- und Mittelpunkt.

Buchkapitel / Inhalte

Customer Centricity
Die richtige Strategie entscheidet

Customer Journey
Die Königsdisziplin ist die Verknüpfung aller Off- und Online-Kanäle.

CRM-Systeme
Best Practice für die digitale Transformation

BI und Datenmanagement
Datenanalyse und Datenschutz im Einklang

Touchpoint Management
Ob B2B oder B2C – alle Kontaktpunkte  identifizieren und optimieren

Kanal egal – Service begeistert
Beispiele der Vordenker zum Nachahmen

Experten & Autoren

Prof. Dr. Peter Winkelmann
(redaktioneller Fachbeitrag)
Digitale Transformation im Vertrieb

Frank Zscheile
(redaktioneller Fachbeitrag)

 

Aufmacherbild / Lizenz / Quelle

Customer Journey Mapping (workshop)“ (CC BY 2.0) by  jennychamux